Die beiden wichtigsten Startup Fundings der letzten zwei Wochen

Am 22. Juli wurden zwei Start-up-Finanzierungsrunden verkündet, die sehr unterschiedlich sind, aber die einen wichtigen Trend zeigen: Das Frontend in fast allen Industrien ist durch, fertig, zuende gebaut. Das Heavy-Lifting findet im Backend statt, im Maschinenraum.

Über eine Firma wurde sehr viel gesprochen - über die andere fast gar nicht.

Der berüchtigte Wiederholungstäter

Über Travis Kalanick wurde viel geschrieben: Uber Gründer und CEO, der mit teilweise umstrittenen Methoden das unglaubliche Wachstum der Firma in den ersten Jahren vorantrieb. 2018 wurde er von seinen eigenen Investoren aus der Firma gedrängt. Lange war es still um Kalanick, finanziell war er wahrscheinlich recht sorgenfrei.

Umso überraschter war die Startup Welt, als er am 22.07. ankündigte, dass er eine 1,7-Milliarden-Dollar-Runde für seine Firma Atoms einsammeln konnte. Investment, nicht Bewertung...

Angeführt wurde die Megarund von a16z. Die haben vor 15 Jahren die Series-B-Round von Uber im letzten Moment nicht gemacht, weil sie Kalanick im Preis drücken wollten. Dieser Fehler kostete sie mehrere Milliarden US-Dollar, die stattdessen der VC Menlo Ventures einstreichen konnte: aus 66,5 Millionen investierten Dollar wurden bis zu 3,1 Milliarden.

​https://x.com/aakashgupta/status/2080043710256181476]

Atoms baut industrielle Roboter für unterschiedliche Industrien und setzt damit auf die physische Infrastruktur der amerikanischen Industrialisierung. Kalanick nennt das Physical AI. Die erste Akquisition: Pronto, eine Firma, die schwere Industriefahrzeuge im Mining automatisiert. Und als Fußnote der Geschichte: Ben Horowitz zieht in den Board ein, und Uber selbst hat mitinvestiert.

Der Announcment Post von Kalanick selbst ist übrigens ein sehr amüsantes Stück PR

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6:32 PM • Jul 22, 2026
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Der 25-jährige Deutsche

Den Namen Ferdinand Dabitz haben selbst diejenigen noch nicht gehört, die tief in der Startup- und Fintech-Szene sind. Der 25-jährige ist in Berlin aufgewachsen, Thiel Fellow (ja, der Thiel) und hat jetzt mit seinem Startup Augustus eine 180-Millionen-Dollar-Runde announced. In den USA wohlgemerkt - nicht in Europa.

Andere Branche, gleiches Muster: wie bei Atuoms geht es bei Augustus nicht um ein besseres Frontend, sondern um das Heavy Lifting von Anfang an: Die Gründer bauen eine komplette Bank auf, die die Mittelsmänner aus dem Geschäft rausschneidet. Im Mai kam die vorläufige Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC für eine eigene Banklizenz. Keine Sponsor-Banken, keine Banking-as-a-Service-Zwischenhändler, eigener Ledger, direkter Zugang zu den Payment-Rails. Wenn die volle Genehmigung kommt, wäre Dabitz der jüngste CEO einer federal-licensed US-Bank seit über 140 Jahren. Die AI steckt dabei genau da, wo sie hingehört: unter der Haube, in der selbst gebauten Core-Banking-Plattform Marble.

Das Muster: Die Wertschöpfung findet im Backend statt

Beide Finanzierungen zeigen einen wichtigen Trend: Das Frontend, die Oberfläche, die einfachen Aufgaben übernimmt die AI. In Zukunft können schlaue Individuen und Unternehmen diese Sachen selber bauen. Was bleibt, ist die komplexe Infrastruktur darunter. Hier entstehen die neuen Opportunitäten, hier entsteht Differenzierung.

Für Corporates verschieben sich daher Opportunitäten vom Front of House zum Back of House:

  • Das Frontend ist nicht mehr die Differenzierung. Eine Top-Mobile-App, eine hervorragende User Experience, gute Performance - das wird alles heute als Selbstverständlich erwartet von den Kunden. Wer es nicht hat, hat ein Problem. Wer es hat, hat die Basics gemacht
  • AI-Nutzung im per se ist irrelevant. Der Service-Chatbot der mittelmäßige Antworten gibt oder die Copiloten Lizenzen, die für das Korrigieren von E-Mail-Entwürfen genutzt werden, sind nur Rauschen, sie simulieren Fortschritt.
  • Im Backend findet die Uniqueness statt. Nutzung proprietärer Daten (die erstmal strukturiert werden müssen), um den Kunden Insights und Services zu bieten, die sie vorher nicht hatten
  • Die Entwicklung neuer Produkte oder Geschäftsfelder auf Basis dieser Daten (so wie ich es z.B. gerade mit einem großen Versicherer mache) wird betriebswirtschaftlich wieder hoch attraktiv (ich habe hier darüber geschrieben, warum das so ist)
  • Der Aufbau eigener Operating Systems, um das Geschäft mithilfe von AI schneller und effizienter voranzutreiben, wird Hauptaufgabe jedes COOs werden

Für all das braucht es im Corporate strukturierte Prozesse. Das Ziel ist, weniger reaktiv nach random Opportunitäten zu handeln, sondern strukturiert aus strategischen Zielen konkrete Geschäftsfelder zu machen.

Das ist die große Frage, mit der sich die fortschrittlichsten Corporate Development Abteilungen, Geschäftsführungen und Vorstände gerade beschäftigen.

Vielen Dank fürs Lesen und bis in zwei Wochen, Nicolas

PS. Wenn dich diese Ausgabe zum Nachdenken, zum Widerspruch oder zur Zustimmung angeregt hat, leite sie gerne an jemanden weiter, der eine starke Meinung zu dem Thema hat. Oder antworte mir einfach direkt. Je mehr Perspektiven wir zu diesen Themen haben, desto besser. Und wenn du gerade an einer strategischen Frage sitzt: antworte einfach auf diese Mail.

Realistic Future

Jede Ausgabe ein KI-Framework für Corporate Development: neue Geschäftsfelder und KI-Produkte finden, bewerten und umsetzen. Erprobt in meinen Mandaten bei Banken und Versicherern