Der heißeste Job im AI Land: Der FDE

Dass KI uns alle ins Verderben stürzen und uns allen die Jobs wegnehmen wird, ist ja klar.

Logisch: KI kann viele Dinge schneller und manche sogar besser als Menschen. Wofür brauchen wir dann noch Ärzte, Anwälte und Taxifahrer? Noch schlimmer wird es bei Beratern oder Programmierern, kann ja die KI übernehmen.

Soweit die landläufige Meinung.

Aber was ist, wenn das gar nicht stimmt? Wenn der KI Hypetrain langfristig mehr Jobs schafft, als er abschafft?

Der KI Leverage Effekt

Stellen wir uns einen typischen Mittelständler vor: 100 Mitarbeitende im ländlichen Raum, zum Beispiel in der Logistik. Diese Firma hatte noch nie einen Entwickler auf der Payroll. Warum auch? Entwickler sind teuer, sie wollen nicht nach Delmenhorst ziehen und was sollen sie überhaupt entwickeln bei dieser Firma, die seit 3 Generationen mehr oder weniger das gleiche macht?

Aber jetzt kommt die KI. Und auf einmal baut die ambitionierte Juniorin im Projektmanagement ihr eigenes kleines Tool, mit dem die Disposition der LKW schneller und fehlerfreier läuft. Dieses Tool können dann auch ihre 4 Kollegen benutzen und alle sind effektiver, machen weniger Fehler oder können die Frachtraten gewinnbringender berechnen.

Also bauen sie noch ein Tool, dieses Mal für die Planung der Fahrer. Und dann noch eins uns und noch eins.

Die Firma wird effizienter, sie verdient mehr Geld, die Mitarbeitenden sind zufriedener und die Kunden auch. Nur: diese Tools müssen nicht nur gevibecoded werden, sie müssen deployed, gemanaged und verbessert werden. Die Juniorin aus dem Projektmanagement kann das nicht mehr alleine. Und auf einmal macht es Sinn, jemanden einzustellen der KI und Technologie versteht. Vielleicht sogar zwei oder drei. Denn mit jedem Hire, der mit KI Neues bauen kann, verdient die Firma mehr Geld, indem sie entweder Kosten einspart oder ihren Umsatz erhöht.

Die Firma wächst, aber dafür braucht sie mehr gute Leute.

Der Forward Deployed Engineer

Kurzer Exkurs: die nicht unumstrittene Datenfirma Palantir hat vor einigen Jahren einen neuen Job erfunden. Denn Palantirs Software arbeitet mit komplexen, teils unstrukturierten Daten in regulierten Umfeldern. Oder kurz gesagt: im Dataroom der Kunden herrscht Chaos. Dazu kommen hochpolitische Umfelder mit sehr vielen Stakeholdern und konkurrierenden Incentives sowie komplexe Industrien wie Financial Services. Damit die Software von Palantir überhaupt zum Einsatz kommen kann, muss jemand den Wahnsinn zwishcen IT-Legacy, Datenchaos, interner Politik und unscharfen regulatorischen Anforderungen navigieren.

Das funktioniert nicht von außen mit einem zweitägigen AI-Readiness-Assesment und einem Workshop. Dafür braucht es jemanden, der beim Kunden eingebettet ist. Der Wochen und Monaten die internen Anforderungen, Untiefen und Komplexitäten einer großen Organisation nachvollzieht und auf dieser Basis Software deployen kann.

Dieser jemand ist der Forward Deployed Engineer oder kurz FDE. Palantir schickt also erstmal ein paar dieser schlauen und interdisziplinären Menschen zu den Kunden - natürlich zu sehr lukrativen Tagessätzen. Das Ziel: verstehen, aufräumen, implementieren.

Der Aufstieg des FDEs

Lange Zeit interessierte sich nur eine kleine Gruppe für FDEs. Aber mit KI änderte sich etwas. Plötzlich mussten Banken, Versicherungen, Energieanbieter oder Behörden KI in die eigenen Prozesse implementieren. Und auf einmal gab es das gleiche Problem wie bei Palantirs Kunden: unstruktierte Daten, unscharfe Regulatorik, komplexe Prozesse, Datenschutzanforderungen und sehr viele sehr meinungsstarke Stakeholder.

Also lieh sich OpenAI den Jobtitel und stellte FDEs ein. Denn wenn Software bauen nicht mehr der Bottleneck ist, dann ist es jetzt die Implementierung im Konzern. Und let me tell you: this shit is hard.

Die Grafik zeigt's: vor einem Jahr hat es kaum jemanden interessiert, aber seit OpenAI und Anthropic ihre eigene Consulting Armada aufbauen, ist der FDE heiß.

Was bedeutet das für uns

Der FDE ist in Deutschland noch nicht so richtig angekommen. Ein paar AI und IT Leute sprechen darüber, aber bei den meisten HR Abteilungen ist er noch nicht auf der Liste.

Dabei ist genau das das Profil, das wir in deutschen Konzernen und Mittelständlern brauchen: Schlaue Menschen, die etwas von AI verstehen, aber eben auch von Enterprise Architektur, Governance in regulierten Branchen und davon, wie man unterschiedlich incentivierte Stakeholder hinter einen Thema vereint.

Davon brauchen wir mehr Leute, sehr viel mehr. Wir brauchen nicht nur FDEs, sondern FDXs - Forward Deployed Everything. Der FDE wird in Zukunft sowas wie der universelle Job Title sein: Forward Deployed Marketeer, Forward Deployed Designer, Forward Deployed Strategist, Forward Deployed Banker.

Und genau deswegen baue ich derzeit FDX auf: eine Plattform, mit der wir selektierte Forward Deployed Experts als in bestehende Teams und Strukturen einbetten. Das Angebot ist noch in der Beta Phase, wir öffnen es langsam für weitere Pilotkunden. Wenn du Interesse daran hast, antworte einfach auf diese Mail.

In Zukunft braucht jede Firma FDEs - oder FDXs. Und zwar viele.

Die Projektmanagerin beim mittelständischen Logistiker? Sie ist wird zum Forward Deployed Supply Chain Manager und implementiert KI Tools für die Lieferkette. Der Marketingspezialist beim Versicherer wird zum Forward Deployed Marketeer und baut KI-gestützte Kundenakquisition auf. Der UXler in der Bank wird zum Forward Deployed Designer und launcht und vertestet dutzende Produktiteration pro Woche für die Brokerage-App.

Das Basis-Skillset ist immer das selbe: tiefes Domän-Expertise, AI- und IT-Verständnis, Präsentations- und Workshopskills für Stakeholder Management, Umgang mit Komplexität.

Der Job ist nichts für jeden, ist mir schon klar. Aber wer einfach nur noch abarbeiten möchte, der hat tatsächlich ein Jobproblem. Für diejenigen, die die Unsicherheit annehmen, sich da reinstürzen, Dinge ausprobieren, sie im Unternehmen verkaufen, Menschen mitreissen - für die wird es spannend.

Vielen Dank fürs Lesen und bis in zwei Wochen, Nicolas

PS. Ich freue mich über Feedback - antworte einfach auf diese Mail.

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Jede Ausgabe ein KI-Framework für Corporate Development: neue Geschäftsfelder und KI-Produkte finden, bewerten und umsetzen. Erprobt in meinen Mandaten bei Banken und Versicherern